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Weide

Überblick

Weitere Namen: Silberweide
Wissenschaftlicher Name: Salix alba
Pflanzenfamilie: Weidengewächse (Salicaceae)
Vorkommen: Mitteleuropa
Verwendete Pflanzenteile: Rinde

Nachgewiesene Wirksamkeit
  • Fiebersenkend
  • entzündungshemmend bei rheumatischen Beschwerden
  • schmerzlindernd bei Kopfschmerzen
Wirkungspotential
  • Fußschweiß (Fußbäder)
  • Durchfall
  • Gicht
  • Wunden (äußerlich)
  • Nervenschmerzen
Erfahrungsmedizin
  • Arthrose
  • leichte Entzündungen
  • Rückenschmerzen
  • leichtere Schmerzen


Allgemeines

Weidenrinde wird schon seit dem Altertum zur Behandlung bei leichten Schmerzen sowie zur Fiebersenkung verwendet und gehört zu den wirkungsvollsten Schmerzmitteln der Phytotherapie. [1] In der Volksheilkunde wurde die Weidenrinde außerdem bei Zahnschmerzen und Nervenschmerzen eingesetzt. Äußerlich fand sie auch als Fußbad bei Fußschweiß und schlecht heilenden Wunden Anwendung. 1828 wurde aus der Weidenrinde erstmals Salicin isoliert, woraus Salicylsäure hergestellt werden kann. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde zum ersten Mal aus Salicylsäure die Acetylsalicylsäure, ein unter den Handelsnamen ASS oder Aspirin bekannter Schmerzmittel-Wirkstoff gewonnen.

Weidenrinde enthält Substanzen, die Acetylsalicylsäure, sehr ähnlich sind. Bei vielen Schmerzerkrankungen werden Dauermedikationen von nebenwirkungsreichen Schmerzmitteln verschrieben. Daher kommt immer wieder die Frage auf, ob diese Medikamente zumindest zeitweise mit pflanzlichen Extrakten ersetzt werden können. Dabei sind vor allem die salicinhaltigen Pflanzen in den Fokus gerückt, da Salicin bereits leicht schmerzlindernd wirkt, ohne die schleimhautreizenden Nebenwirkungen zu haben. In phytotherapeutischen Fertigarzneimitteln gibt es bereits viele Präparate mit Weidenrindenextrakt als Wirkstoff, die unterstützend bei Schmerzen und Rheuma-Beschwerden eingesetzt werden können. Da der Weidenrinden-Extrakt sehr bitter schmeckt, werden meistens Kapseln oder Teezubereitungen als Darreichungsformen eingesetzt.

Äußerlich angewandt, kann Weidenrinde durch ihren Salicingehalt außerdem stark keratolytisch (hornhautauflösend) wirken. Deswegen enthält unsere Fußpflegecreme Pedicuree auch einen Weidenrindenextrakt.

Wirkungsweise

Weidenrinde enthält Phenolglykoside, darunter vor allem die Salicyl-alkoholderivate, sogenannte Salicylate. Diese werden im Darm zu Glucose und Salicylalkohol gespalten, das dann in der Leber zu Salicylsäure (2-Hydroxybenzoensäure) synthetisiert wird. Salicylsäure wirkt u.a. schmerzlindernd, indem sie das Enzym Cyclooxygenase (COX) blockiert und dadurch die Bildung von Prostaglandinen hemmt. Das ist ein Stoffwechselvorgang, der sonst zu Schmerzen oder Entzündungen führt. Jedoch ist der schmerzlindernde Effekt sanfter als der von Acetylsalicylsäure-haltigen Schmerzmitteln und auch die Thrombozytenaggregationshemmung (Blutverdünnung) fällt deutlich geringer aus. Als Ersatz für Blutverdünner ist die Weide also nicht geeignet.

Damit die Wirkkraft der Weidenrinde auch ihr Potential entfalten kann, muss der Salicingehalt der Kräuterdroge bei mindestens 1,5% liegen. Weidearten mit einem hohen Gehalt an Salicylaten sind zum Beispiel die Silberweide und die Purpurweide.

Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Gerbstoffe und Phenolcarbonsäuren, die die Wirkung der Salicylate vermutlich mit unterstützen. In Studien fiel auf, dass die Salicylverbindungen allein keine ausreichende Erklärung für die schmerzlindernde Wirkung bieten können. Hier müssen weitere Inhaltsstoffe der Weidenrinde, Flavonoide, Saponine und Gerbstoffe eine Rolle spielen. Weitere Forschungen sind notwendig.

Anwendung & Dosierung [2]

Maximale Tagesdosis: 60 bis 120 mg Gesamtsalicin; unter ärztlicher Aufsicht und in klinischen Studien wurden bis zu 240 mg eingesetzt.

Pulver: 1 bis 3 g dreimal täglich als Fiebermittel

Teezubereitung

Aufguss: 2–3 g (1 TL = ca. 1,5g) geschnittene oder pulverisierte Rinde auf 250ml Wasser

Abkochung: 2–3 g geschnittene oder pulverisierte Rinde mit 250ml kaltem Wasser zum Kochen bringen und 5 min ziehen lassen; 3- bis 4mal täglich eine Tasse trinken

Kaltauszug: 2–3 g geschnittene oder pulverisierte Rinde in einer Tasse kaltem Wasser für 8 Stunden stehen lassen, gelegentlich umrühren.

Die wässrigen Auszüge werden in erster Linie gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt.

Äußerliche Anwendung

Auszug aus 50 g Rindenpulver auf 250ml Wasser bei Schweißfüßen oder schlecht heilenden Wunden auf ein Fußbad geben.

Vorsichtshinweise

Bei äußerlicher Anwendung sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Da Weidenrinde ähnliche Inhaltsstoffe enthält, wie sie auch in Aspirin oder anderen Acetylsalicylsäurehaltigen Arzneimitteln vorkommen, gelten vorsichtshalber auch die gleichen Vorsichtsmaßnahmen.
Für Kinder, Schwangere und Stillende sind keine wissenschaftlichen Daten über die Sicherheit vorhanden.
Bitte nicht ohne ärztliche Rücksprache innerlich einnehmen bei: Blutungsneigung, Störungen der Leberfunktion, Einnahme von Blutdrucksenkern, Schmerzmitteln und Blutverdünnern. Bei den o.g. Medikamenten können Wechselwirkungen auftreten.

Bei zwei von 1000 Menschen kann eine Unverträglichkeit gegen Salicylate vorliegen. In diesem Falle könnte es äußerlich zu Urtikaria (Nesselsucht) oder innerlich zu Bronchospasmen kommen.

Auch bei der sehr seltenen Erbkrankheit Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel sollten keine Weidenpräparate eingenommen werden.

Quellen:

[1] Bäumler, S. (2021): „Heilpflanzenpraxis heute – Rezepturen und Anwendung“, S. 829/830. 3. Auflage 2021: Elsevier GmbH, München. Online: https://books.google.de/books?id=SCsNEAAAQBAJ

[2] Bäumler, S. (2021): „Heilpflanzenpraxis heute – Rezepturen und Anwendung“, S. 953. 3. Auflage 2021: Elsevier GmbH, München. Online: https://books.google.de/books?id=SCsNEAAAQBA

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