Beschreibung
Wofür kann Süßholzwurzel verwendet werden? (Anwendungsgebiete)
Süßholzwurzel ist ein traditionell pflanzliches Arzneimittel bei Magen-Darm-Beschwerden und Erkältungen.
Es kann zur Linderung von Verdauungsbeschwerden einschließlich eines brennenden Gefühls im Oberbauch (z.B. Sodbrennen) und zur Schleimlösung bei Erkältungen mit Husten als Arzneitee getrunken werden.
Süßholzwurzel wird im GKV-Arzneimittelindex unter Pflanzliche Expektoranzien geführt (ATC-Code: R05CP17). Expektoranzien sind Hustenlöser.
Wie kann ich Süßholzwurzel anwenden? (Dosierung)
Zubereitung als Aufguss: 1,5 – 2g Süßholzwurzel, mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend den losen Tee durch ein Teesieb abseihen.
Wichtig: Der Aufguss wird mit kochendem Wasser zubereitet – eine Zubereitung mit warmem Wasser ist nicht ausreichend.
Bei Verdauungsstörungen: den Aufguss 2 bis 4mal täglich nach den Mahlzeiten trinken.
Nicht länger als 4 Wochen anwenden. Bei Beschwerden, die länger als 2 Wochen andauern oder periodisch wiederkehren sowie bei Verschlechterung der Beschwerden, muss ein Arzt aufgesucht werden.
Bei Erkältungen: den Aufguss 2mal täglich trinken.
Bei Beschwerden, die länger als 1 Woche andauern, bei Auftreten von Luftnot, Fieber oder eitrigem Auswurf muss ein Arzt aufgesucht werden.
Was sollte ich vor der Anwendung von Süßholzwurzel beachten (Gegenanzeigen, Vorsichtsmaßnahmen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen)?
Patienten, die Süßholzwurzeltee trinken, sollten keine anderen Süßholzwurzel-haltigen Produkte (z.B. z. B. Lakritzwaren) zu sich nehmen, da schwerwiegende Überdosierungsreaktionen auftreten können.
Für Patienten, die an hohem Blutdruck leiden, Nieren-, Leber- oder Herzkreislauferkrankungen haben oder bei denen Hypokaliämie bekannt ist, wird das Trinken des Süßholzwurzeltees nicht empfohlen, da sie empfindlicher für Wechselwirkungen von Süßholzwurzel sind.
Gegenanzeige (Kontraindikation):
Süßholzwurzel darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Süßholzwurzel besteht.
Bitte beachte die Vorsichtsmaßnahmen zum Mindestalter, ab dem Süßholzwurzel angewendet werden können. (Siehe nächster Abschnitt)
Nebenwirkungen: Bei bestimungsgemäßer Anwendung von Süßholzwurzel sind keine Nebenwirkungen bekannt.
Wechselwirkungen: Süßholzwurzel kann der Wirkung von blutdrucksenkenden Arzneimittel entgegenwirken.
Bei Einnahme von Diuretika, Herzglykosiden, Corticosteroiden, stimulierenden Abführmitteln oder anderen Arzneimitteln, die Elektrolytstörungen verstärken können, wird die gleichzeitige Einnahme von Süßholzwurzel nicht empfohlen.
Anzeichen einer Überdosierung: Eine Süßholzwurzel-Anwendung von mehr als 4 Wochen und eine Anwendung von hohen Dosen kann zu Überdosierungserscheinungen wie Wassereinlagerungen, Hypokaliämie (niedriger Kaliumspiegel im Blut), Blutdruckerhöhung, Herzrhythmusstörungen oder hypertensiver Enzephalopathie führen.
Ab welchem Alter kann man Süßholzwurzel anwenden?
Aufgrund unzureichender Daten wird die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen.
Kann man Süßholzwurzel in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden?
Zur Anwendung von Süßholzwurzel in Schwangerschaft und Stillzeit wurde nicht ausreichend untersucht.
Daher wird von der Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten.
Wie kann ich Nebenwirkungen melden?
Neben den bekannten Neben- und Wechselwirkungen, kann wie bei allen Arzneimitteln auch Süßholzwurzel weitere Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Wenn du Nebenwirkungen bemerkst, wende dich an einen Arzt oder Apotheker.
Indem du Nebenwirkungen meldest, kannst du dazu beitragen, dass mehr Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden. Verdachtsfälle von Nebenwirkungen können auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – BfArM, Abteilung Pharmakovigilanz in einem Online-Formular angezeigt werden.
Wie sollte ich Süßholzwurzel aufbewahren? (Lagerung)
Das Arzneimittel sollte vor Licht, Feuchtigkeit und Hitze geschützt aufbewahrt werden.
Bitte beachte das Verfallsdatum auf der Verpackung. Nach dem mit „Verw. bis“ angegebenen Datum darf das Arzneimittel nicht mehr angewendet werden. Das Verfallsdatum bezieht sich auf den letzten Tag des angegebenen Monats.
Welche Bestandteile des Süßholzes werden verwendet und wie wird die Qualität bestimmt?
Süßholzwurzel (lateinischer Name: Liquiritiae radix) sind die getrockneten Wurzeln mit ihren Ausläufern des Süßholzes (botanischer Name: Glycyrrhiza glabra L.). Süßholz gehört zu den Schmetterlingsblütengewächsen (Fabaceae).
Sonstige Bestandteile außer Süßholzwurzel sind nicht enthalten.
Die Wirkstoffmenge und die Qualität des Arzneimittels werden nach den Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) kontrolliert und in unabhängigen Prüflaboren getestet.
Welche Inhaltsstoffe sind in Süßholzwurzel enthalten?
Süßholzwurzel enthält:
Triterpensaponine (2–9 %):
– Glycyrrhizin (Glycyrrhizinsäure): Der Hauptwirkstoff, der als Gemisch aus Kalium- und Calciumsalzen vorliegt. Es besitzt eine etwa 50-fache Süßkraft im Vergleich zu Rohrzucker und spaltet bei Hydrolyse Glycyrrhetinsäure (Enoxolon) sowie Glucuronsäure ab.
Flavonoide & Isoflavone:
– Liquiritigenin & Isoliquiritigenin: Prägen als Chalcone und Flavanone das Wirkprofil im Magen-Darm-Bereich und tragen zu den krampflösenden sowie entzündungshemmenden Eigenschaften bei.
Weitere Bestandteile:
– Polysaccharide: Schleimstoffe, welche die Schleimhäute schützen und beruhigend auf den Verdauungstrakt wirken.
Welche Wirkungsweise haben Zubereitungen aus Süßholzwurzel?
Süßholzwurzel werden vor allem auswurf- und hustenreizlindernde (expektorierende, antitussive), entzündungshemmende (antiphlogistische) sowie magenschützende und krampflösende (spasmolytische) Eigenschaften zugeschrieben – wobei das enthaltene Glycyrrhizin die Schleimabsonderung in den Atemwegen anregen und Reize lindern solle, während Glycyrrhizin und Flavonoide (wie Liquiritigenin) im Magen-Darm-Trakt die Schleimproduktion der Magenschleimhaut steigern, die Schleimhautbarriere schützen und entkrampfend auf die glatte Muskulatur wirken sollen.
Welche Belege gibt es für die Anwendung von Süßholzwurzel? (Evidenz)
Die Anwendung von Süßholzwurzel basiert auf der Einstufung als traditionell pflanzliches Arzneimittel. Das bedeutet, dass zwar keine ausreichenden Belege aus klinischen Studien vorliegen, die Wirksamkeit von Süßholzwurzel-Zubereitungen jedoch plausibel ist und es Hinweise darauf gibt, dass sie seit mindestens 30 Jahren, davon mindestens 15 Jahre innerhalb der EU, auf diese Weise sicher angewendet werden. Zudem erfordert die vorgesehene Anwendung keine ärztliche Überwachung.
Wo finde ich weiterführende Literatur zu Süßholzwurzel als Arzneipflanze?
Monographien zu Süßholzwurzel:
– European Union herbal monograph on Glycyrrhiza glabra L.; Glycyrrhiza inflata Bat.; Glycyrrhiza uralensis Fisch., radix des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA/HMPC/108399/2024)
– Standardzulassungen, 20. Akt-Lfg 2022
– ESCOP Monographs on Liquiritiae Radix (Liquorice Root), 2003
– WHO monographs on selected medicinal plants, Volume 1, 1999, Radix Glycyrrhizae, pg. 183-194
– WHO monographs on medicinal plants commonly used in the Newly Independent States (NIS), 2010, Radix Glycyrrhizae, pg. 161-173
– Monographie ASK-Nr. 49009 der Kommission E (Phytotherapie) des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bundesanzeiger Nr. 90 vom 15.05.1985, Berichtigung: Bundesanzeiger Nr. 74 vom 19.04.1991, Berichtigung: Bundesanzeiger Nr. 50 vom 13.03.1990, Berichtigung: Bundesanzeiger Nr. 178 vom 21.09.1991
– Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Süßholzwurzel, Nr. 0277)
Weiterführende Literatur:
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen






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