Beschreibung
Wofür können Rosmarinblätter verwendet werden? (Anwendungsgebiete)
Rosmarinblätter sind ein traditionell pflanzliches Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden und als Badezusatz.
Es kann bei Verdauungsbeschwerden als Arzneitee getrunken und bei Kreislaufbeschwerden, sowie unterstützend bei rheumatischen Erkrankungen äußerlich als Badezusatz angewendet werden.
Wie kann ich Rosmarinblätter anwenden? (Dosierung)
Zubereitung als Aufguss: 1 Teelöffel (ca. 2 g) Rosmarienblätter mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend den losen Tee durch ein Teesieb abseihen.
Wichtig: Der Aufguss wird mit kochendem Wasser zubereitet – eine Zubereitung mit warmem Wasser ist nicht ausreichend.
Bei Verdauungsbeschwerden: Der Aufguss 2 bis 3 Mal täglich trinken.
Als Badezusatz: 50g Rosmarinblätter mit 1l Wasser kurz aufkochen, nach 15-30 Minuten durch ein Teesieb abseihen und die flüssige Abkochung zu einem Vollbad verdünnen. Empfohlene Badetemperatur: 35 – 38°C, für 10 bis 20 Minuten.
Vollbäder können 2- bis 3-mal pro Woche angewendet werden. Bei Bedarf sind auch tägliche Vollbäder möglich.
Was sollte ich vor der Anwendung von Rosmarinblätter beachten? (Gegenanzeigen, Vorsichtsmaßnahmen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen)
Bei Beschwerden, die länger als 1 Woche andauern, periodisch wiederkehren oder sich während der Anwendung verschlimmern, sollte ein Arzt oder Apotheker aufgesucht werden.
Gegenanzeige (Kontraindikation):
Rosmarinblätter dürfen nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Rosmarinblätter besteht.
Als Badezusatz: Bei größeren Hautverletzungen und akuten Hautkrankheiten, schweren fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck sollen Vollbäder unabhängig vom Inhaltsstoff, nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden.
Bitte beachte die Vorsichtsmaßnahmen zum Mindestalter, ab dem Rosmarinblätter angewendet werden können. (Siehe nächster Abschnitt)
Bekannte Nebenwirkungen: Es können Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (Kontaktdermatitis) auftreten. Die Häufigkeit ist nicht bekannt.
Wechselwirkungen mit Rosmarinblättern und anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.
Ab welchem Alter kann man Rosmarinblätter anwenden?
Zur Anwendung von Rosmarinblättern bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor. Zubereitungen aus Rosmarinblättern sollen daher von diesem Personenkreis nicht angewendet werden.
Kann man Rosmarinblätter in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden?
Zur Anwendung von Rosmarinblättern in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.
Daher wird von der Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit aufgrund fehlender Erkenntnisse abgeraten.
Wie kann ich Nebenwirkungen melden?
Neben den bekannten Nebenwirkungen, können wie bei allen Arzneimittel auch Rosmarinblätter weitere Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Wenn du Nebenwirkungen bemerkst, wende dich an einen Arzt oder Apotheker.
Indem du Nebenwirkungen meldest, kannst du dazu beitragen, dass mehr Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden. Verdachtsfälle von Nebenwirkungen können auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – BfArM, Abteilung Pharmakovigilanz in einem Online-Formular angezeigt werden.
Wie sollte ich Rosmarinblätter aufbewahren? (Lagerung)
Das Arzneimittel sollte vor Licht, Feuchtigkeit und Hitze geschützt aufbewahrt werden.
Bitte beachte das Verfallsdatum auf der Verpackung. Nach dem mit „Verw. bis“ angegebenen Datum darf das Arzneimittel nicht mehr angewendet werden. Das Verfallsdatum bezieht sich auf den letzten Tag des angegebenen Monats.
Welche Bestandteile des Rosmarins werden verwendet und wie wird die Qualität bestimmt?
Rosmarinblätter (lateinischer Name: Rosmarini folium) sind die getrockneten Blätter des Rosmarins (botanischer Name: Rosmarinus officinalis L. oder Salvia rosmarinus). Rosmarin gehört zu den Lippenblütlern (Lamiaceae).
Sonstige Bestandteile außer Rosmarinblätter sind nicht enthalten.
Die Wirkstoffmenge und die Qualität des Arzneimittels werden nach den Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) kontrolliert und in unabhängigen Prüflaboren getestet.
Welche Inhaltsstoffe sind in Rosmarinblättern enthalten?
Rosmarinblätter enthalten:
Ätherisches Öl (bis zu 2,5 %):
– 1,8-Cineol (15–55 %) & Campher (5–21 %): Prägen das charakteristische, frisch-aromatische Aroma und sorgen für den belebenden, durchblutungsfördernden Effekt.
– Weitere Terpene: Unter anderem Alpha-Pinene (9–26 %), Camphen, Borneol und Limonen, die das Wirkprofil synergetisch ergänzen.
Diterpenphenole (Bitterstoffe):
– Carnosolsäure, Carnosol & Rosmanol: Lipophile Bitterstoffe mit stark antioxidativen und zellschützenden Eigenschaften.
Lamiaceen-Gerbstoffe & Phenolsäuren (> 3 %):
– Rosmarinsäure: Der namengebende Hauptvertreter der Gerbstoffe, unterstützt von Kaffeesäure und Chlorogensäure mit entzündungshemmender Wirkung.
Weitere pflanzliche Inhaltsstoffe:
– Flavonoide & Triterpene: Methylierte Flavonoide (wie Genkwanin) und Pflanzensäuren, die verdauungsfördernd und gallenflussanregend wirken
Welche Wirkungsweise haben Zubereitungen aus Rosmarinblättern?
Rosmarinblättern werden vor allem verdauungsfördernde (spasmolytische, choleretische), entzündungshemmende sowie lokal durchblutungsfördernde und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben – wobei die enthaltenen Bitterstoffe und Phenolsäuren innerlich die Magenschleimhaut schützen, Entzündungen im Verdauungstrakt hemmen und die Galle- sowie Leberfunktion anregen sollen, während das ätherische Öl äußerlich als Badezusatz die lokale Durchblutung stimulieren, Entzündungsreaktionen im Gewebe dämpfen und so rheumatische Beschwerden sowie Muskel- und Gelenkschmerzen lindern soll.
Welche Belege gibt es für die Anwendung von Rosmarinblätter? (Evidenz)
Die Anwendung von Rosmarinblättern basiert auf der Einstufung als traditionell pflanzliches Arzneimittel. Das bedeutet, dass zwar keine ausreichenden Belege aus klinischen Studien vorliegen, die Wirksamkeit von Rosmarinblätter-Zubereitungen jedoch plausibel ist und es Hinweise darauf gibt, dass sie seit mindestens 30 Jahren, davon mindestens 15 Jahre innerhalb der EU, auf diese Weise sicher angewendet werden. Zudem erfordert die vorgesehene Anwendung keine ärztliche Überwachung.
Wo finde ich weiterführende Literatur zu Rosmarinblättern als Arzneipflanze?
Monographien zu Rosmarinblättern:
– European Union herbal monograph on Rosmarinus officinalis L., folium des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA/HMPC/513940/2021)
– Standardzulassungen, 20. Akt-Lfg 2022
– Escop Monograph on Rosmarini Folium (Rosemary Leaf), 2003
– WHO monographs on selected medicinal plants, Volume 4, 2009, Folium Rosmarini, pg. 294-308
– Monographie ASK-Nr. 01228 der Kommission E (Phytotherapie) des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bundesanzeiger Nr. 223 vom 30.11.1985, Berichtigung: Bundesanzeiger Nr. 221 vom 28.11.1986 , Berichtigung: Bundesanzeiger Nr. 50 vom 13.03.1990
– Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Rosmarinblätter, Nr. 1560)
Weiterführende Literatur:
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen








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