Beschreibung
Wofür kann Baldrianwurzel verwendet werden? (Anwendungsgebiete)
Baldrianwurzel ist ein pflanzliches Beruhigungsmittel.
Es kann bei nervlicher Anspannung, Unruhe, sowie als Schlafhilfe bei nervös bedingten Einschlafstörungen als Arzneitee getrunken oder äußerlich als Badezusatz verwendet werden.
Baldrianwurzel wird im GKV-Arzneimittelindex unter Pflanzliche Hypnotika und Sedativa geführt (ATC-Code: N05CP01).
Wie kann ich Baldrianwurzel anwenden? (Dosierung)
Zubereitung als Aufguss: 1 Teelöffel voll (ca. 2,5g) Baldrianwurzel, mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend den losen Tee durch ein Teesieb abseihen.
Wichtig: Der Aufguss wird mit kochendem Wasser zubereitet – eine Zubereitung mit warmem Wasser ist nicht ausreichend.
Bei Unruhe: den Aufguss 1 bis 3mal täglich trinken,
Bei Einschlafstörungen: den Aufguss 30-60 Minuten vor dem Schlafengehen trinken, wenn notwendig zusätzlich eine frühere Dosis am Abend.
Zubereitung als Vollbad (äußerlich als Badezusatz): 100g Baldrianwurzel auf ein Vollbad, Wassertemperatur: 34-37°C; Dauer des Bades 10-20 Minuten, nicht mehr als 1 Bad täglich.
Was sollte ich vor der Anwendung von Baldrianwurzel beachten (Gegenanzeigen, Vorsichtsmaßnahmen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen)?
Bei akuten Beschwerden, die länger als 1 Woche andauern oder periodisch wiederkehren, wird die Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker empfohlen.
Gegenanzeige (Kontraindikation):
Baldrianwurzel darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Baldrian besteht.
Vollbäder sollen nicht angewendet werden bei offenen Wunden, großen Hautverletzungen, akuten Hauterkrankungen, hohem Fieber, schweren Infektionen, schweren Kreislaufstörungen und Herzinsuffizienz.
Bitte beachte die Vorsichtsmaßnahmen zum Mindestalter, ab dem Baldrianwurzel angewendet werden können. (Siehe nächster Abschnitt)
Bekannte Nebenwirkungen: Nach der oralen Einnahme (schlucken) von Zubereitungen aus Baldrianwurzel ist von leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Bauchkrämpfe berichtet worden. Die Häufigkeit ist nicht bekannt.
Wechselwirkungen mit Baldrianwurzel und anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.
Anzeichen einer Überdosierung: Orale Zubereitungen (zum Schlucken) aus Baldrianwurzel in einer Dosis von etwa 20 g verursachte Symptome wie Müdigkeit, Bauchkrämpfe, Engegefühl in der Brust, Benommenheit, Zittern der Hände und vergrößerte Pupillen (Mydriasis), die innerhalb von 24 Stunden verschwanden. Wenn diese Symptome auftreten, sollte eine unterstützende Behandlung durch einen Arzt erfolgen.
Ab welchem Alter kann man Baldrianwurzel anwenden?
Zur Anwendung von Baldrianwurzel bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor. Zubereitungen aus Baldrianwurzel sollen daher von diesem Personenkreis nicht angewendet werden.
Kann man Baldrianwurzel in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden?
Zur Anwendung von Baldrianwurzel in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.
Daher wird von der Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit aufgrund fehlender Erkenntnisse abgeraten.
Wie kann ich Nebenwirkungen melden?
Neben den bekannten Nebenwirkungen, kann wie bei allen Arzneimitteln auch Baldrianwurzel weitere Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Wenn du Nebenwirkungen bemerkst, wende dich an einen Arzt oder Apotheker.
Indem du Nebenwirkungen meldest, kannst du dazu beitragen, dass mehr Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden. Verdachtsfälle von Nebenwirkungen können auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – BfArM, Abteilung Pharmakovigilanz in einem Online-Formular angezeigt werden.
Wie sollte ich Baldrianwurzel aufbewahren? (Lagerung)
Das Arzneimittel sollte vor Licht, Feuchtigkeit und Hitze geschützt aufbewahrt werden.
Bitte beachte das Verfallsdatum auf der Verpackung. Nach dem mit „Verw. bis“ angegebenen Datum darf das Arzneimittel nicht mehr angewendet werden. Das Verfallsdatum bezieht sich auf den letzten Tag des angegebenen Monats.
Welche Bestandteile des Baldrians werden verwendet und wie wird die Qualität bestimmt?
Baldrianwurzel (lateinischer Name: Valerianae radix) sind die unterirdischen Pflanzenteile des Echten Baldrians (botanischer Name: Valeriana officinalis L.). Diese bestehen aus dem Wurzelstock und den Wurzeln. Baldrian gehört zu den Baldriangewächse (Valerianaceae).
Sonstige Bestandteile außer Baldrianwurzel sind nicht enthalten.
Die Wirkstoffmenge und die Qualität des Arzneimittels werden nach den Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) kontrolliert und in unabhängigen Prüflaboren getestet.
Welche Inhaltsstoffe sind in Baldrianwurzel enthalten?
Baldrianwurzel enthält:
Ätherisches Öl (0,2–2,8 %):
– Bornylacetat & Bornylisovalerat: Die Hauptkomponenten des ätherischen Öls. Aus dem Bornylisovalerat spaltet sich bei der Trocknung freie Isovaleriansäure ab, die für den typisch-intensiven Geruch der Baldrianwurzel verantwortlich ist.
– Sesquiterpensäuren (u. a. Valerensäure): Das chemische Erkennungszeichen von Valeriana officinalis, maßgeblich beteiligt an der dämpfenden und schlaffördernden Wirkung auf das Nervensystem.
Iridoide / Valepotriate (0,05–0,67 %):
– Valtrat & Isovaltrat: Machen über 90 % der feuchtigkeitsempfindlichen Valepotriate aus. Sie wirken krampflösend und beruhigend, bauen sich jedoch bei Lagerung rasch zu Folgestoffen (wie Baldrinal) ab.
Weitere pflanzliche Inhaltsstoffe:
– Lignane & Kaffeesäurederivate: Natürliche Pflanzenstoffe mit antioxidativen Eigenschaften; bestimmte Lignane können zudem an Melatonin- und Adenosin-Rezeptoren binden.
– Alkaloide & Aminosäuren: In Spuren enthalten (z. B. Actinidin sowie freie Aminosäuren wie GABA), welche die beruhigende Gesamtwirkung synergetisch unterstützen.
Welche Wirkungsweise haben Zubereitungen aus Baldrianwurzel?
Baldrianwurzeln werden vor allem beruhigende (sedierende), schlaffördernde und krampflösende (spasmolytische) Eigenschaften zugeschrieben – wobei das Zusammenspiel aus GABA-erger Wirkung und der Aktivierung von Adenosin-A1-Rezeptoren (sowie 5-HT1A-Rezeptoren) im Cortex das zentrale Nervensystem dämpft, die Einschlafzeit verkürzt und die Schlafqualität verbessert. Bei den Adenosin-A1-Rezeptoren setzt Baldrian am selben Schaltpunkt an, den Koffein blockiert: Während Koffein diesen Rezeptor hemmt und dadurch wach macht, aktiviert Baldrian ihn und fördert so den natürlichen Schlafdruck.
Welche Belege gibt es für die Anwendung von Baldrianwurzel? (Evidenz)
Die Anwendung von Baldrianwurzel basiert auf der Einstufung als traditionell pflanzliches Arzneimittel. Das bedeutet, dass zwar keine ausreichenden Belege aus klinischen Studien für Arzneitees oder Badezusätze vorliegen, die Wirksamkeit von Baldrianwurzel Zubereitungen jedoch plausibel ist und es Hinweise darauf gibt, dass sie seit mindestens 30 Jahren, davon mindestens 15 Jahre innerhalb der EU, auf diese Weise sicher angewendet werden. Zudem erfordert die vorgesehene Anwendung keine ärztliche Überwachung.
Mehrere Veröffentlichungen mit klinischen Studien zu Ethanol Trockenextrakt aus Baldrianwurzel stützen die Anwendung zur Behandlung von nervösen Anspannungen und Schlafstörungen. Die Ergebnisse zeigten insbesondere Verbesserungen hinsichtlich der Einschlafzeit und der Schlafqualität bei Anwendung der empfohlenen Dosierung. Im Vergleich mit anderen Behandlungen zeigte sich, dass Baldrianwurzel bei der Linderung leichter Angstzustände ebenso wirksam war wie andere Arzneimittel. Einige Studien haben gezeigt, dass Baldrianwurzel deutlich besser vertragen wird als andere Behandlungsmethoden. Die Wirksamkeit zeigte sich bei einer Anwendungsdauer von mindestens zwei Wochen deutlicher als bei kürzerer Einnahme, es liegen jedoch keine vergleichenden Langzeitstudien vor.
Wo finde ich weiterführende Literatur zu Baldrianwurzel als Arzneipflanze?
Monographien zu Baldrianwurzel:
– European Union herbal monograph on Valeriana officinalis L., radix des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA/HMPC/150848/2015)
– Standardzulassungen, 20. Akt-Lfg 2022
– ESCOP Monographs on Valerianae Radix (Valerian Root), 2003 & 2009
– WHO monographs on selected medicinal plants, Volume 1, 1999, Radix Valerianae, pg. 267-276
– Monographie ASK-Nr. 00043 der Kommission E (Phytotherapie) des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bundesanzeiger Nr. 90 vom 15.05.1985, Berichtigung Bundesanzeiger Nr. 50 vom 13.03.1990
– Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Baldrianwurzel, Nr. 0543)
Weiterführende Literatur:
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen






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