Beschreibung
Wofür können Hopfenzapfen verwendet werden? (Anwendungsgebiete)
Hopfenzapfen sind ein traditionell pflanzliches Arzneimittel zur Beruhigung.
Es kann zur Besserung des Befindens bei nervlicher Belastung, Unruhe und Angstzuständen, sowie bei Einschlafstörungen zur Schlafunterstützung als Arzneitee getrunken werden.
Hopfen wird im GKV-Arzneimittelindex unter Pflanzliche Hypnotika und Sedativa geführt (ATC-Code: N05CP07).
Wie kann ich Hopfenzapfen anwenden? (Dosierung)
Zubereitung als Aufguss: 1 gehäufter Teelöffel voll (ca. 0,5g) Hopfenzapfen, mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend den losen Tee durch ein Teesieb abseihen.
Wichtig: Der Aufguss wird mit kochendem Wasser zubereitet – eine Zubereitung mit warmem Wasser ist nicht ausreichend.
Bei Unruhe und Angstzuständen: den Aufguss 2- bis 3mal täglich trinken,
Bei Einschlafstörungen: vor dem Schlafengehen eine Tasse Hopfenzapfen-Aufguss trinken
Was sollte ich vor der Anwendung von Hopfenzapfen beachten (Gegenanzeigen, Vorsichtsmaßnahmen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen)?
Wenn Einschlafstörungen oder Unruhe und Angstzustände länger als 1 Woche andauern oder periodisch wiederkehren, sollte wie bei allen unklaren Beschwerden ein Arzt oder Apotheker aufgesucht werden.
Gegenanzeige (Kontraindikation):
Hopfenzapfen dürfen nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Hopfen besteht.
Bitte beachte die Vorsichtsmaßnahmen zum Mindestalter, ab dem Hopfenzapfen angewendet werden können. (Siehe nächster Abschnitt)
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Hopfenzapfen und anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.
Ab welchem Alter kann man Hopfenzapfen anwenden?
Zur Anwendung von Hopfenzapfen bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor. Zubereitungen aus Hopfenzapfen sollen daher von diesem Personenkreis nicht angewendet werden.
Kann man Hopfenzapfen in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden?
Zur Anwendung von Hopfenzapfen in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.
Daher wird von der Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit aufgrund fehlender Erkenntnisse abgeraten.
Wie kann ich Nebenwirkungen melden?
Auch wenn keine Nebenwirkungen bekannt sind, kann wie bei allen Arzneimitteln auch Hopfenzapfen Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Wenn du Nebenwirkungen bemerkst, wende dich an einen Arzt oder Apotheker.
Indem du Nebenwirkungen meldest, kannst du dazu beitragen, dass mehr Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden. Verdachtsfälle von Nebenwirkungen können auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – BfArM, Abteilung Pharmakovigilanz in einem Online-Formular angezeigt werden.
Wie sollte ich Hopfenzapfen aufbewahren? (Lagerung)
Das Arzneimittel sollte vor Licht, Feuchtigkeit und Hitze geschützt aufbewahrt werden.
Bitte beachte das Verfallsdatum auf der Verpackung. Nach dem mit „Verw. bis“ angegebenen Datum darf das Arzneimittel nicht mehr angewendet werden. Das Verfallsdatum bezieht sich auf den letzten Tag des angegebenen Monats.
Welche Bestandteile des Hopfens werden verwendet und wie wird die Qualität bestimmt?
Hopfenzapfen (lateinischer Name: Lupuli flos) sind die getrockneten weiblichen Blütenstände des gewöhnlichen Hopfens (botanischer Name: Humulus lupulus L.) . Hopfen gehört zu den Hanfgewächsen (Cannabaceae).
Sonstige Bestandteile außer Hopfenzapfen sind nicht enthalten.
Die Wirkstoffmenge und die Qualität des Arzneimittels werden nach den Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) kontrolliert und in unabhängigen Prüflaboren getestet.
Welche Inhaltsstoffe sind in Hopfenzapfen enthalten?
Hopfenzapfen enthalten:
Bitterstoffe & Harze (15–25 %):
– Humulone & Lupulone: Die charakteristischen Bitterstoffe des Hopfens, die maßgeblich für die beruhigende und schlaffördernde Wirkung verantwortlich sind.
Prenylflavonoide & Flavonoide:
– 8-Prenylnaringenin (8-PN): Gilt wissenschaftlich als eines der stärksten derzeit bekannten Phytoöstrogene und ist der Hauptwirkstoff für die Linderung von Wechseljahresbeschwerden.
– Xanthohumol & Isoxanthohumol: Spezifische Hopfen-Farbstoffe mit antioxidativen Eigenschaften. Isoxanthohumol kann durch die eigene Darmflora zusätzlich in aktives 8-PN umgewandelt werden.
– Weitere Flavonoide: Pflanzliche Schutzstoffe wie Kämpferol und Rutin.
Ätherisches Öl (0,3–1,0 %):
– Terpene (u. a. Myrcen, Humulen, Caryophyllen): Verleihen dem Hopfen sein typisches, würziges Aroma und tragen zur entspannenden Gesamtwirkung bei.
Weitere Inhaltsstoffe:
– Gerbstoffe (Tannine): Natürliche Pflanzeninhaltsstoffe mit leicht zusammenziehenden (astringierenden) Eigenschaften..
Welche Wirkungsweise haben Zubereitungen aus Hopfenzapfen?
Hopfenzapfen werden vor allem beruhigende (sedierende) und schlaffördernde Eigenschaften zugeschrieben – die enthaltenen Bitterstoffe (Humulone, Lupulone) sowie Terpene wirken entspannend auf das zentrale Nervensystem.
Darüber hinaus enthält Hopfen mit 8-Prenylnaringenin (8-PN) eines der stärksten bekannten Phytoöstrogene pflanzlichen Ursprungs; einzelne klinische Studien deuten auf eine mögliche Wirkung bei Wechseljahresbeschwerden hin.
Welche Belege gibt es für die Anwendung von Hopfenzapfen? (Evidenz)
Die Anwendung von Hopfenzapfen basiert auf der Einstufung als traditionell pflanzliches Arzneimittel. Das bedeutet, dass zwar keine ausreichenden Belege aus klinischen Studien vorliegen, die Wirksamkeit von Hopfenzapfen Zubereitungen jedoch plausibel ist und es Hinweise darauf gibt, dass sie seit mindestens 30 Jahren, davon mindestens 15 Jahre innerhalb der EU, auf diese Weise sicher angewendet werden. Zudem erfordert die vorgesehene Anwendung keine ärztliche Überwachung.
Es gibt experimentelle Studien, die die Anwendung von Hopfenzapfen als Schlafmittel stützen. Weiterhin existieren klinische Studien bei denen Kombinationen aus Zubereitungen aus Hopfenzapfen und Baldrianwurzel als Schlafmittel angewendet wurden.
Neuere klinische Daten weisen zudem auf ein Potenzial bei Wechseljahresbeschwerden hin: Eine systematische Übersichtsarbeit belegt die Wirksamkeit dieses Phytoöstrogens, insbesondere des potenten Phytoöstrogens 8-Prenylnaringenin (8-PN), was durch eine klinische Studie gestützt wird, in der die tägliche Einnahme eines Hopfen-Extrakts Hitzewallungen sowie die Gesamtsymptomatik auf der Greene-Klimakterium-Skala signifikant stärker reduzierte als Placebo. (Quellen: Ershad Sarabi et al., Phytomedicine, 2010;17(11):841–848, doi: 10.1016/j.phymed.2010.01.007; Abdi et al., BMJ Open, 2016;6(4):e010734, doi: 10.1136/bmjopen-2015-010734)
Wo finde ich weiterführende Literatur zu Hopfenzapfen als Arzneipflanze?
Monographien zu Hopfenzapfen:
– Community herbal monograph on Humulus lupulus L., flos des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA/HMPC/682384/2013)
– Standardzulassungen, 20. Akt-Lfg 2022
– ESCOP Monographs on Lupuli Flos (Hop Strobile), 2003
– WHO monographs on selected medicinal plants, Volume 3, 2007, Strobilus Lupuli, pg. 236-246
– Monographie ASK-Nr. 01128 der Kommission E (Phytotherapie) des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bundesanzeiger Nr. 228 vom 05.12.1984, Berichtigung Bundesanzeiger Nr. 50 vom 13.03.1990
– Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Hopfenzapfen, Nr. 1222)
Weiterführende Literatur:
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen







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